Und so kam es, dass er immer noch eine Krüppelkiefer neben sich liegen hatte, als die anderen Händler schon zufrieden zusammenpackten. Es wurde schon dunkel und die letzten Leute hasteten über den leeren Weihnachtsmarkt um doch noch ein Geschenk zu ergattern.
Eine Mutter zog ihr Kind and der Hand hinter sich her und sagte
"Komm schon, es ist gleich heiliger Abend, wir verpassen noch das Christkind, wenn du so weiter trödelst."
"Ich will aber einen Christbaum", sagte das Kind.
"Aber doch nicht so einen hässlichen, der ist nur zum Anheizen im Kamin", sagte die Mutter.
"Ich will aber einen Christbaum", sagte das Kind und zerrte an der Mutter.
"Wir haben doch schon einen ganz schönen, den aufblasbaren aus Plastik mit den elektrischen Kerzen", sagte die Mutter. Da warf sich das Kind auf den Boden, schlug mit seinen kleinen Fäusten in den dreckigen Schnee und schrie:
"Ich will aber einen Christbaum."
Die wenigen Leute drehten sich um und begannen die Mutter vorwurfsvoll anzuschauen. Da gab die Frau dem Weihnachtsbaumverkäufer den kleinen Betrag, der auf einem Zettel stand. Und weil sie nicht mit dem hässlichen kleinen verkrüppelten Baum gesehen werden wollte, bat sie den Mann ihn ihr ins Haus zu bringen.
Zu Hause hatte der Ehemann der Frau schon die Bescherung so gut er konnte vorbereitet. Er sah alt und müde aus, als er die Haustür öffnete.
"Ich war im Kaufhaus und habe lauter schöne Sachen eingekauft", sagte die Frau.
Der Mann sagte gar nichts
"Wir haben einen Weihnachtswichtl und einen Christbaum mitgebracht", sagte das Kind voller Begeisterung.
Der Mann schaute suchend ins Treppenhaus hinunter und entdeckte den Verkäufer mit dem Krüppelbaum, der sich nicht ganz hochgewagt hatte, jetzt zögernd näher kam und entschuldigend sagte
"Es ist mein letzter. Nur eine Kiefer. Ein bisschen krumm, aber einen Besseren hat mich der Bauer nicht schlagen lassen ..."
Das Gesicht des müden Ehemannes erhellte sich.
"Eine verkrüppelte Kiefer." sagte er "So eine habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Heut zu Tage sind die Christbäume ja alle stramm und gerade; werden in der Baumschule mit der Maschine geerntet."
"Ich bin mit dem Bus gekommen. Da darf man nicht viel mitnehmen, aber die Krüppeligen will ja kaum jemand haben."
"Genau so einen habe ich mir gewünscht" sagte der Ehemann "Wie der nach Wald riecht. Früher, als Kind, bin ich auch immer heimlich in den Wald gegangen, mit dem Schweitzermesser, da ist eine kleine Säge dran... Ich finde es sehr nett dass sie den Baum selber aus dem Wald bebracht haben, Herr ..."
"Er heißt Weihnachtswichtl", sagte das Kind.
"Herr Weihnachtswichtl, kommen Sie doch herein und helfen Sie den Christbaum aufzustellen und zu schmücken. Ich bin ja so froh, dass wir diesen grässlichen Plastikbaum endlich in den Müll werfen können."
Die beiden Männer und das Kind machten sich daran den Baum zu schmücken. Die Frau sah erleichtert aus. Sie hatte befürchtet, dass sich dieser elende Weihnachtsrummel auch noch bei ihr zuhause fortsetzten könnte.
"Darf der Weihnachtswichtl noch ein bisschen bleiben?" fragte das Kind
"Haben Sie denn noch Zeit?" fragte der Mann.
"Haben Sie denn schon gegessen?" fragte die Frau.
"Eigentlich nicht", sagte der Weihnachtswichtl.
Es wurde ein sehr glücklicher und zufriedener Heiliger Abend. Als es spät wurde und der Weihnachtswichtl sich zu gehen anschickte, fragte der Mann
"Wohnen Sie denn hier in der Stadt?"
"Eigentlich nicht", sagte der Weihnachtswichtl.
"Geht denn jetzt noch ein Bus?" fragte die Frau
"Eigentlich ist er schon weg", sagte der Weihnachtswichtl.
"Kann er hier bleiben, in dem freien Zimmer?" fragte das Kind.
Der Weihnachtswichtl blieb ein paar Tage und fuhr dann - von Dank und guten Wünschen begleitet - wieder zurück in den Wald. So wie er es versprochen hatte, kam er auch so oft zu Besuch, wie es sich ausging. Und jedes Mal fühlten Vater Mutter und Kind sich reich beschenkt.
Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.