Kolonskis Affaire

Kolonski hatte sich hochgearbeitet.
Ohne seine Frau Svetlana wäre es ihm nicht gelungen in dieser fremden neuen Welt Fuß zu fassen.
    Er war ein viel gefragter Mann, immer unterwegs, immer mit einem neuen Projekt, nicht jedes Mal erfolgreich, aber unter dem Strich zahlte sich die Anstrengung aus. Es war ein hartes, einsames Leben jenseits von Svetlanas weichen Brüsten, die ihm immer wieder die Kraft gaben weiter zu machen.
    Und dann kam Susanne. Er hätte nie geglaubt, dass so eine Blonde, Schlanke, Gepflegte auf ihn, den Einwanderer, mehr als nur mit Höflichkeit reagieren würde. Kolonski erlebte nie gekanntes Glück mit Susanne - nicht, dass er Svetlana jetzt weniger liebte, aber Susanne war eben anders, so unglaublich, so himmlisch.
    Auch Kolonskis Projekte wurden erfolgreich wie noch nie. Ein Überschuss an Liebe und Energie. Doch Projekte sind unerbittlich. Termine, Deadlines, Besprechungen, taktische Überlegungen. Kolonski wollte es sich selbst nicht zugegeben, aber er hatte einfach weniger Zeit.
    Susanne sprach von Reisen, von Inseln, von Ausstellungen, von Konzerten. So sehr ihn das interessierte: Es fiel ihm schwer zuzuhören, obwohl er sie über alles liebte. Und Svetlana natürlich auch. Susanne hatte Verständnis für seine Lage, versuchte ihm zu helfen, verschob die Ferienpläne bis dieses eine, entscheidende Projekt zu Ende war. Doch das Projekt war so erfolgreich, dass Kolonski sogleich mit einem weiteren, noch prestigereicheren betraut wurde. Susanne wurde ärgerlich, fragte ihn ob er sie denn immer noch liebe, oder ob er doch lieber bei Svetlana sei.
    Susanne rief bei ihm zu Hause an. Das war ihm peinlich. Obwohl er Svetlana alles erzählt hatte, wollte er doch nicht von ihr gehört werden. Also sprach er leise und gepresst ins Telefon. Nein, ausgerechnet heute abends ginge es nicht, morgen könnte er sich Zeit freischaufeln. Susanne sagte "Dann gute Nacht" und legte auf.
    Am nächsten Tag fand Kolonski ein SMS auf seinem Handy vor:
    Es ist endgültig aus. Komm nie wieder in meine nähe. Susanne.