Seegasthof Rose

    "Ach lass uns hier bleiben," sagte Rosi und schmiegte sich an Joachim.
    Vor ihnen lag der schimmernde Bergsee in der hereinbrechenden Dämmerung. Dahinter färbte sich der dunkelgrüne Bergwald allmählich schwarz und die schroffen Felsen der Kalkalpen begannen rötlich anzulaufen. Direkt vor ihnen, am anderen Ufer, lag ein Gasthaus, im Tiroler Stil mit leuchtend weißen Wänden und einem mit Steinen beschwerten Schindeldach.
    Joachim spürte wie ihn eine Welle von Seeligkeit durchströmte. Er konnte sich nicht erinnern jemals so glücklich gewesen zu sein, - schon gar nicht in einer Umgebung die er sonst als Kitschpostkartenromantik abgetan hätte.
    An einem verwitterten Steg lag einen Ruderboot, mit einem Kälberstrick angebunden. Joachim löste den Knoten.
    "Ein Kälberstrick. Der Bauer wird uns sicher nicht böse sein," sagte er.
Rosi setzte sich ins Heck, Joachim ruderte über das stille, schwarze Wasser.
    "Seegasthof Rose" stand auf einem riesigen weißen Schild, das über die kunstvoll geschnitzten Latten des Balkons genagelt war.
    "Willkommen im Seegasthof Rose," sagte ein in Trachtenanzug mit Hirschhornknöpfen gekleideter Kellner, als sie anlegten.
    Sowohl Joachim als auch Rosi wären normalerweise sofort geflüchtet und hätten sich etwas gesucht, das weniger nach Fremdenverkehr und professioneller Höflichkeit riecht. Aber jetzt fanden sie es wundervoll, dass ihnen ganz oben unter den alten Dachbalken ein herrliches Zimmer mit wunderbarer Aussicht angeboten wurde, mit einem riesigen, herzförmigen, rosa bezogenen Bett in der Mitte.
    Stumm nickten sie einander zu - und wurden bis zum späten Vormittag nicht mehr gesehen.