Er war ein fauler Riese, der es sich gut gehen lies und gerne mit seinen knüppeldicken Zehen im Wasserfall spielte. Nicht weit entfernt wohnte sein Freund der Tatzelwurm, fürchterlich anzusehen mit seinem von schleimigen Schuppen bedeckten Körper und den riesigen gelb leuchtenden Katzenaugen, aber genau so faul und gutmütig wie der dreiäugige Riese.
Dort wo der Wasserfall sich in einen weiten sumpfigen See ergoss, mampfte der Tatzelwurm Schlingpflanzen, während der Riese in der Sonne lag und schlief. Alle seine drei Augen waren geschlossen. Mit seinem dritten Auge jedoch, das auch durch die Augenlieder hindurch in die Ferne sehen konnte, nahm er undeutlich etwas weit entferntes, beunruhigendes, böses war.
Am anderen Ufer des Sees tauchte eine Gestalt auf. Es war die Zauberbäuerin mit ihrem Korb voll magischer Pilze und Kräuter. Der Tatzelwurm kroch an Land und legte seinen Kopf ins Gras. Das war seine Art der Begrüßung. Die stattliche Frau erreichte gerade eben die Höhe seiner Reißzähne. Sie lies sich von dem warmen Atemstrom aus den fassgroßen Nüstern umfächeln und schaute ruhig in die riesigen gelben Augen.
"Ihr habt es auch gemerkt" sagte sie.
Der Riese hatte sich aufgesetzt und stützte seinen Kopf in die Hände. Im Gegensatz zum Wurm konnte er sprechen, allerdings nur wenige Worte.
"Ja" sagte er und es rollte wie Donnergrollen über den dunklen See.
Die Zauberbäuerin wusste, dass die beiden nicht nur aufmerksame Zuhörer waren, sondern dass sich ihnen auch der Sinn zwischen und hinter den Worten erschloss.
"Es ist der König" sagte sie
"Er hat kein Herz und keine Liebe. Er will besetzen, siegen und gewinnen. er denkt nur an sich und hält sich nicht an Vereinbarungen. Er verleumdet und, unterstellt uns Bösartigkeit und möchte den Sumpf trocken legen, wie er sagt, die weißen Flecken von der Landkarte tilgen, zivilisierte Verhältnisse herstellen mit Straßen und Siedlungen, mit kleinen fleißigen Leuten und ohne irgend welche Riesengestalten vor denen man sich fürchten muss. Und ohne Zauberbäuerinnen die das Felsentor zwischen den Welten öffnen könnten."
"Zusammen halten" sagte der Riese, und wieder rollte es wie Donnergrollen über den See.
"Ja" sagte die Zauberbäuerin, die die Gedanken des Tatzelwurms lesen konnte. "Sie sind schwach und klein, aber es sind zu viele und wenn es ihnen erst einmal hier gefällt können wir nicht bleiben"
"Nicht mitspielen" sagte der Riese
"Wir sollten erreichen, dass es ihnen hier nicht gefällt und mit den Guten unter ihnen Freundschaft schließen" sagte die Zauberbäuerin.
Der Tatzelwurm grunzte und bewegte sich ein wenig, so dass durch seinen Schwanz, der noch im Wasser lag eine kleine Flutwelle ausgelöst wurde. Aus seinen Nüstern fuhr ein Feuerstoß der einen kleinen Waldbrand verursachte, den der Riese mit ein paar Handvoll Wasser sogleich löschte.
"Genau das meine ich" sagte die Zauberbäuerin, die beiseite gesprungen war. "Wir machen es ihnen unbequem. ein Erdbeben da, eine Flutwelle dort. An passender Stelle ein Waldbrand, oder ein plötzlicher Sturm. Ich könnte auch ein paar bittere Essenzen ins Wasser streuen, oder die Saat verdorren lassen. oder was mir sonst noch so einfällt."
Und so geschah es auch. Der König verlor bald die Lust an dem unwirtlichen Landstrich und gab sich damit zufrieden, dass sich wenigstens einige seiner Leute - Querköpfe, die er ohnehin gerne los wurde - in dieser Wildnis angesiedelt hatten.
Und so lebten Riesen Tatzelwürmer und ein paar Menschen ungestört in Frieden weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind leben sie heute noch.